Mitarbeiter mit psychischen Problemen


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Hallo liebe Community,

 

ich stehe vor folgender Situation und wollte fragen, ob ihr schon mal ähnliche Fälle hattet und wie man mit diesen umgehen könnte:

Ein Mitarbeiter hat psychische Probleme und daher, mit seinem Lead eine inoffizielle Abmachung aus dem Homeoffice arbeiten zu können (da ihn die Fahrt und das Arbeiten im Office zusätzlich unter Druck setzt). Der Lead merkt nun aber, dass er ihn für gewisse Aufgaben im Office braucht. Gleichzeitig möchte er ihn nicht drängen. Der Mitarbeiter ist schwierig (kurzfristig/interimsmäßig) zu ersetzen, da er eine spezifische Expertise hat. 

Wir möchten den Mitarbeiter unterstützen, gleichzeitig haben wir nicht die Manpower um seinen Ausfall noch länger zu verkraften. Gerade der Lead nimmt gerade sehr viel von der Arbeitsbelastung auf sich, was ich wiederum kritisch sehe.

 

Freue mich über einen konstruktiven Austausch!


10 Antworten

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Hallo @nora.b ,

ein sehr interessantes Thema, zu dem ein Austausch sicher helfen kann.

Um es ein bisschen besser verstehen zu können und bitte nicht falsch verstehen, hier geht’s nicht um meine Neugierde oder so: wo genau liegt das psychische Problem des Kollegen begründet? Ich kenne bisher “nur” Burn-Out, aber hier scheint es eher eine andere Richtung zu sein.

Ich frage, um es einordnen zu können, was helfen kann, z.B. könnte ja ein Fahrdienst oder Taxi helfen, wenn es um Angststörungen unter vielen Menschen geht. Das kostet zwar, aber die kosten sind m.E. voll vertretbar bei der erwähnten Expertise und der Umverteilung nun intern.

Beste Grüße

Dash

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Hi Dash,

ohne die genauen Umstände zu kennen, scheint es eher in die Richtung Angststörung zu gehen. Er kann vom Home-Office aus arbeiten, also keine Burnout-Thematik. Die Idee mit dem Fahrdienst ist schon mal interessant, soweit ich es verstanden habe, geht es aber nicht nur um die Fahrt, sondern auch um das Arbeiten außerhalb seiner eigenen Wohnung im Allgemeinen.

Grüße,

Nora

 

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Habt ihr die Aufgaben, für die es gem. deiner Aussage (bzw. die des leads) eine tatsächliche, physische Anwesenheit bedarf, einmal genauer unter die Lupe genommen und im Detail aufgedröselt?

Ich kenne das von mir selber, man denkt, dass es alternativlos sei, ist es aber gar nicht, man denkt es nur oder ist schon zu sehr in seinen Fahrrinnen. Ich stelle bei sowas dann immer alles in Frage und dann kommt man meist schon weiter, nicht unbedingt ans Ende, aber der Weg dahin startet. So ergibt dann manchmal das eine das andere.

Also was will ich mit diesen fast schon philosophischen Punkten sagen? Stell als Außenstehende mal die Aussage deines leads in Frage, ohne wenn und aber. Ggf. wird es am Ende eben anders, aber das muss ja nicht zwingend schlecht sein, vor allem nicht, wenn ein Ausfall nicht verkraftbar ist.

Beste Grüße

Dash

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Deinen Ansatz finde ich gut und ich werde definitiv nochmal nachhaken. Da es um den Bereich Produktion geht, ist es allerdings tatsächlich realistisch, dass nicht alles von Zuhause aus gemacht werden kann ...

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Das stimmt wohl, das kann also wirklich sein. Manche Jobs gehen einfach nicht remote.

Aber nur mal ein Beispiel aus meiner Vergangenheit:

Als Corona uns noch total nervös machte, Lockdowns im Raume standen und die Quarantäne noch 14 Tage dauerte, ging es bei uns darum, was passiert, wenn unser Sekretariat ins Homeoffice muss. Es hieß nur, das ginge nicht. Punkt.

Und dann ging es los.

Warum nicht?

Ja, wie sollen wir denn die Post machen?

Aha, ok, das scheint das größte Problem zu sein, schauen wir das mal genauer an. Kann die Post denn wer vom Büro nach Hause vorbei bringen?

Nein, das geht nicht!

Aha, kann der Post-Lieferservice denn seine Route ändern und das Homeoffice anfahren?

Nein, das machen die nicht, auf gar keinen Fall!

Aha, kann ein Taxi die Post hier einsammeln und ins Homeoffice fahren?

Hmmm, das könnte natürlich gehen, also vielleicht, aber ...

Wie auch immer, am Ende hätte der Postservice seine Route ausnahmsweise geändert, gebraucht haben wir es aber nie.

Also keine Ahnung, wollte ich jetzt einfach mal schildern, da mir das damals einfach so auffiel, wie manche Mitarbeiter eben in ihren Routinen gefangen sind. Und das meine ich gar nicht böse, bin ich im Zweifel auch an diversen Stellen und sehe/merke es nicht.

Beste Grüße

Dash 

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@nora.b In einem solchen Fall bietet sich ein betriebliches Eingleiderungsmanagement an (bzw. vielleicht ist es sogar schon verpflichtetet). Hier könnt ihr über mögliche Maßnahmen und Prävention sprechen. Vielleicht hilft es die Aufgaben im Team neu zu strukturieren. Man kann auch den Betriebsarzt hinzuziehen. Mittelfristig sollte ihm ja auch geholfen werden, statt der Angst “nur” aus dem Weg zu gehen. Habt ihr vielleicht die Möglichkeit ihm Hilfe anzubieten? Wir haben z.B. einen Coach mit dem wir arbeiten oder eben den Betirebsarzt und mit Therapie im Hintergrund dann vielleicht kleine Meilensteine setzen wie die Post abholen und dann wieder remote arbeiten o.ä.?

 

Liebe Grüße 
Vanessa

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Hi Vanessa,

danke für deinen Input. Wir sind noch ziemlich klein, weswegen das alles auch etwas schwieriger ist als in einer großen Company mit mehr ressourcen. Die Aufgaben können z.B. nicht wirklich neu verteilt werden, da das Team sehr klein ist. Dem BEM würde ja eine längere Krank(-meldung) vorausgehen, oder liege ich da falsch? Im momentan arbeitet er ja und ist nicht krankgeschrieben. Er befindet sich bereits in professioneller Hilfe. Wir sind super modern was remote work angeht, jedoch kann man von Zuhause schlecht fertigen, daher ist das natürlich auch sehr abhängig von der Abteilung (es geht also nicht um Post abholen o.ä.). 

 

Liebe Grüße

 

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Hallo Nora,

 

du schreibst, der Kollege ist schon in Behandlung. Mit Einverständnis von allen Parteien, würde ich evtl. einfach direkt, im Rahmen eines 3er Gespräches, mit dem behandelnden Arzt sprechen. Was würde dem Patienten helfen etc.

Viele Grüße

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@nora.b Hatte mal eine ähnliche Konstellation. Was ich wichtig finde (und was m.E. auch im Sinne des MAs ist): ab irgendeinem Punkt ist meistens die Grenze zu einer Arbeitsunfähigkeit überschritten. Das kann regelmäßig der MA selbst am besten einordnen, wann das so weit ist, da er am besten weiß, wie schlecht es ihm (innen) wirklich geht. Wenn das in’s Büro kommen für ihn so belastend ist, könnte es hilfreich für ihn sein, ihm zu signalisieren, dass die Grenze zur Krankheit sich nähert und ihm Mut zu machen, diesen Schritt (für sich selbst) zu gehen und anzuerkennen, dass er Hilfe braucht (vielleicht bekommt er die ja auch schon). 

Und quälen sich Menschen in diesen Situationen aus Pflichtgefühl besonders und schon das kleine Signal “Hey, wenn Du krank bist, bist Du krank” kann helfen. 

Das löst zwar Euer kurzfristiges Problem nicht, aber er hat dann vielleicht Ruhe, um sich zu erholen und in x Wochen wieder fitter zu sein? VG!

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Hallo @nora.b und Community,

die Idee von @nessa25 mit dem Eingliederungsmanagement finde ich gut. So habe ich das in meiner alten Firma auch gehandhabt. In diesem Fall hat vielleicht der Mitarbeiter selbst schon darüber nachgedacht, wie die Teile seines Jobs, die ein mögliches Vor-Ort-sein nötig machen, verändern könnte.

Ein Kompromiss könnte zB. sein, dass jemand durch eben diesen Mitarbeiter eingearbeitet wird, um die Vor-Ort Thematiken zu erledigen.

Alternativ, vielleicht kann der Mitarbeiter diese Aufgaben erledigen, wenn der Rest im Feierabend ist? Ich weiß nicht, um welche speziellen Aufgaben es geht, ob das unbedingt im laufenden Betrieb sein muss usw.

Für mich persönlich ist immer wichtig, den betreffenden Mitarbeiter mit ins Boot zu holen, um gerade psychisch nichts schlimmer zu machen, weil etwas nicht transparent kommuniziert wurde o.ä.

LG

 

 

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